Von Jürgen Herda  |  03.02.2008  | Netzcode: 1255336
Tirschenreuth

Warten auf die große Kampagne

O-Netz-Interview: C3-Mitgründer Christian Walter über Werbung, Marketing und Marktforschung

Tirschenreuth. Die Drei von der Fachhochschule Amberg-Weiden mischen die Oberpfälzer PR-Szene auf: Anstelle von Marketing-Denglish und Werbeluftblasen bieten Christian Walter, Christian Reisnecker und Thomas Franz nüchterne Analysen und ganzheitliche Konzepte. Im O-Netz-Interview erklärt Christian Walter, was die C3 darunter verstehen.

Christian
Christian Walter: ein engagierter Marketing-Stratege.
Herr Walter, Werbeagenturen haben das Image, ihren Kunden mit coolem Image und Auftreten, viel Marketingenglisch und schönen Illusionen große Budgets zu entlocken.

Walter: Zuerst einmal sprechen wir, wie Sie hören oberpfälzisch – und zwar so, dass es jeder versteht. Wir beziehen unsere Glaubwürdigkeit zu einem großen Teil von unserer Authentizität – wir verstellen uns nicht, das haben wir nicht nötig. Und das funktioniert gut so. Zweitens erzeugen wir das Gegenteil von Illusionen: Zu unserem Konzept gehört zu allererst eine gründliche Analyse. Wir agieren mit harten Fakten, nicht mit Wunschvorstellungen. Drittens verfolgen wir dabei ein Ziel, das nichts mit dem Entlocken größtmöglicher Budgets zu tun hat: otimaler Budgeteinsatz für den Werbetreibenden.

Was würden Sie als Ihren Markenkern definieren – also das Alleinstellungsmerkmal Ihres Unternehmens?

Walter: Eine Besonderheit ist sicher das Ineinandergreifen unserer vier Säulen Kommunikation, Marketing, Werbung und – noch relativ neu – Marktforschung. Kunden, die unseren Full-Service nutzen, können eine gründliche Analyse ihres Ist-Standes und des Marktes erwarten. Daraus entwickeln wir ganzheitliche Konzepte, die abgestimmt auf Branche, Reichweite, Region etc. eine hohe Zielgenauigkeit aufweisen.

Sie kommen alle Drei aus der nördlichen Oberpfalz, haben an der Fachhochschule Weiden studiert, und sich jetzt für Tirschenreuth als Standort entschieden. Haben Sie einen besonders hohen Heimatbezug?

Walter: Wir haben relativ nüchtern über Alternativen nachgedacht und uns dann aus zwei Gründen für Tirschenreuth entschieden. Erstens hatten wir bereits ein funktionierendes Netzwerk an Kontakten, das für den Anfang sehr hilfreich war. Zweitens waren wir der Meinung – und dies hat sich bewahrheitet –, dass für unsere Branche und die Art von Dienstleistungen, die wir erbringen, der Standort nebensächlich ist. Einer unserer wichtigsten Kunde sitzt zum Beispiel in Nürnberg.

Ihr Unternehmen ist aus einem Planspiel von Studenten der FH heraus entstanden. War das ein guter Härtetest?

Walter: Es war ein fließender Übergang. Erst waren wir Studenten, die nebenbei eine Firma aufzogen. Dann waren wir Jungunternehmer, die nebenher studierten und ihren Abschluss machten. Für uns war das ein schönes Sprungbrett, wir konnten experimentieren, abklopfen, welche Ideen besser, welche weniger funktionierten. Die Unterstützung aus der Wissenschaft war auch positiv.

Wie weit wich die Realität vom Businessplan ab?

Walter: Gar nicht so sehr. Aber die Schwerpunkte haben sich verschoben. Zunächst hatten wir noch den Bereich Unternehmensberatung stark im Fokus. Inzwischen ist klar, dass die Nachfrage nach Marketing und Werbung bedeutend größer ist. Dafür gewinnt die Marktforschung zunehmend an Bedeutung.

Gibt es Strategien, die besonders für die Struktur der Region mit ihren vielen Handwerkern, kleinen Einzelhändlern und kleineren und mittleren Unternehmen geeignet sind?

Christian
Bringt seine Thesen rhetorisch auf den Punkt: Christian Walter.
Walter: Ideen sind dafür durchaus vorhanden, etwa eine stärkere Vernetzung der Gewerbevereine, Crossmarketing, ungewöhnliche Wege, um aufzufallen. Aber wir müssen zugeben, dass wir hier noch dicke Bretter bohren müssen, bevor sich die Nordoberpfälzer auf neue Wege einlassen.

Unser Medienhaus hat für Gründer und Handwerker immer wieder besondere Aktionen ins Leben gerufen, um sie in der ungleichen Konkurrenz mit den Handelsriesen etwas zu stärken – etwa eine kombinierte Ausstellung von Möbeln und Malerei inklusive Schreinerkatalog und einer Podiumsdiskussion mit dem Handwerkspräsidenten, Politikern und Schreinermeistern. Ziel war es, neue Zielgruppen zu erschließen, mehr Öffentlichkeit für die Handwerker herzustellen, den Stellenwert von Ausbildungsplätzen ins Bewusstsein zu rufen. Was halten Sie von solch ganzheitlichen Auftritten?

Walter: Grundsätzlich eine gute Geschichte, die allerdings voraussetzt, dass alle an einem Strang ziehen. Leider stellen wir in der Realität oft fest, dass wider besseren Wissens und entgegen der Markterfordernisse einer sagt: „Wenn der dabei ist, mache ich nicht mit.“ Alle Forschungsergebnisse deuten in die gleiche Richtung: Von einem Regionalmarketing profitieren alle Beteiligten.

Sind Sie mit dem bisherigen Verlauf Ihrer unternehmerischen Aktivitäten zufrieden?

Walter: Absolut, wir haben uns im Rahmen unserer Möglichkeiten jedes Jahr konzeptionell und von den Umsatzzahlen her weiterentwickelt. Wir konnten relativ schnell vollwertige Arbeitsplätze für Mediengestalter schaffen.

Haben Sie eine Vision, die Sie unbedingt noch umsetzen wollen?

Walter: Mittelfristig denken wir an Büros in Regensburg oder Nürnberg, aber da ist noch keine Entscheidung gefallen. Ich würde mich freuen, wenn wir demnächst eine große, bundesweite Kampagne von A bis Z planen und durchführen könnten.