Projektleiter erklärt neue Oberstufe - Eltern üben Kritik: Konzept nichts für die Kleinstadt
Weiden. (mte) Rund 150 Eltern nehmen am Mittwochabend Nachhilfe: Sie informieren sich im Kepler-Gymnasium beim Projektleiter der Oberstufenreform, Studiendirektor Peter Kammler vom Kultusministerium, über das Turbo-Abi nach acht Jahren. Beim Pauken der Neuerungen in der Oberstufe aber melden sich die Eltern reihenweise zu Wort: Zuerst loben sie die Ideen. Dann aber halten sie mit Zweifeln, Kritik und Ärger nicht hinterm Berg.
Doch der oberste Oberstufenreformer schlägt sich tapfer. Kammler erklärt: Der Weg zur allgemeinen Hochschulreife führt künftig definitiv über die Kernfächer Mathematik, Deutsch und eine Fremdsprache. Sie sind bei der Abiturprüfung - neben zwei weiteren Fächern - Pflicht, "um bei allen Schülern solide Grundkenntnisse auf gleichem Niveau zu haben", sagt Kammler. "Wenn aber einer sprachbegabt ist, ist er doch nicht unbedingt mathematisch begabt", gibt eine Mutter zu bedenken. Deshalb existiere ja neben dem Pflicht- auch den Wahlpflicht- und Profilbereich, erklärt der Projektleiter der Oberstufenreform. "Hier ist der Raum, in dem sich die Neigungen des Schülers widerspiegeln können."
Übrigens: Bei der Fächerzusammenstellung in der Oberstufe könne der Schüler aus über 200 verschiedene Kombinationsmöglichkeiten wählen. Das Oberstufengesetz ermöglicht dies. Es tritt am 1. August in Kraft und löst damit das Kollegstufensystem ab, das seit 1972 gilt und mehrfach modernisiert wurde. Die ersten Schüler des achtstufigen Gymnasiums starten im Herbst 2009 in die reformierte Oberstufe, in der es keine Leistungs- und Grundkurse mehr geben wird. Der erste Abiturjahrgang des G 8 wird im Sommer 2011 entlassen.
Von (mte) |
25.07.2008
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Weiden
Vor Reifeprüfung "Kampf dem Korsett"
Projektleiter erklärt neue Oberstufe - Eltern üben Kritik: Konzept nichts für die Kleinstadt
Womit sich die Schüler in der neuen Oberstufe noch auseinandersetzen müssen? Mit W- und P-Seminaren, erläutert Uta Lechner vom Münchner Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung. W steht für Wissenschaftspropädeutisch, P für Projekt, bei dem praxisorientiertes Arbeiten gefragt ist. Ersteres soll auf die Hochschulwelt, letzteres aufs Berufsleben vorbereiten.
In der Praxis beschäftigen sich Oberstufler dann zum Beispiel mit dem Thema "Kampf dem Korsett", ein W-Seminar, an dessen Ende eine Seminararbeit (früher Facharbeit) verfasst werden muss. Ein voller Erfolg sei's gewesen, sagt Uta Lechner. Und: "Keine Sorge. Themen für W-Seminare gibt es unendlich viele."
Ran an Entscheidungsträger
Aber es gibt nicht unendlich viele W-Seminare, beschweren sich die Eltern. 15 Schüler sollen ein Seminar bilden. Ein Vater eines Neustädter Gymnasiasten rechnet nach: "Bei uns besteht ein Abi-Jahrgang vermutlich bald nur noch aus 50 Schülern. Das macht dann nur drei Seminare." Themenvielfalt? Pustekuchen.
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25.07.2008
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Weiden
Vor Reifeprüfung "Kampf dem Korsett"
Projektleiter erklärt neue Oberstufe - Eltern üben Kritik: Konzept nichts für die Kleinstadt
Bei den Projekt-Seminaren dagegen sehen die Eltern ein weiteres Problem. Externe Partner wie Freiberufler, Kirche, Hochschule, Firmen oder Vereine sollen helfen - und seien in Weiden nur schwer zu finden. "Und wenn's nicht klappt: Hängen unsere Kinder dann in der Luft?", will eine Mutter wissen.
Reinhold Witt beruhigt. Der Vorsitzende des Kepler-Elternbeirats und Organisator der Veranstaltung muntert die Eltern auf, mitzuhelfen, externe Partner zu finden. Und wegen der drohenden Probleme für kleine Schulen empfiehlt Witt: "Da müssen wir als Eltern jetzt ran an die politischen Entscheidungsträger, vor der Landtagswahl. Denn jetzt ist die beste Zeit dafür. Eine bessere für unsere Wünsche kommt zumindest die nächsten fünf Jahre nicht mehr."
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