Amberg
"Alles das und mehr"
Konstantin Wecker begeistert beim Sommerfestival im Hof der Amberger Stadtbibliothek
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| Das Sommerfestival im Innenhof der Stadtbibliothek ging am Donnerstagabend mit Konstantin Wecker zu Ende. Bild: Hartl |
Und Konstantin Wecker kokettiert mit seinen Erfahrungen, seinem Alter, seinen Erfolgen und Niederlagen. In lässig aufgestülpter Cargohose, dunkler Jacke über rotem Hemd, später im Trecking-Anorak, turnt er durchs Dickicht seines Lebens. Mal greift er zur Brille, dann legt es sie wieder ab. Mal wendet er sich den Senioren mit Nordic-Walking-Stöcken zu und gesteht dann wieder frühere Schwierigkeiten am Zoll.
Im Mittelpunkt stehen aber immer seine Balladen und die Zuhörer. "Ich lieb' mein Publikum!" sagt er. "Das ist intelligent, denn es mag ja meine Lieder..." Die präsentiert er mit unglaublicher Hingabe und Energie. Dazwischen pflückt er immer wieder mal so kleine, manchmal stachlige, aber auch duftende Erinnerungen am Wegrand. Von seinen ersten Erfolgen als Straßensänger in Venedig erzählt er. Damals begeisterte er vorwiegend Amerikanerinnen mit deutschen Volksliedern. Rinnsteinpoet wollte er werden und war doch im ersten Beruf "Opernsänger".
Aber eigentlich geht es ihm um mehr. Er hat eine Botschaft und die verkündet der bekennende 68er mit Liedern wie "Der alte Kaiser" oder "Es herrscht wieder Frieden im Land". Wecker lacht "Wenn die Börsianer tanzen" und betont "Es geht ums Tun, nicht ums Siegen!" Schließlich stellt er fest: "I werd oid."
Mit ihm gealtert ist auch ein Teil seines Publikums, wie man im ausverkauften Rund erkennen kann. Unerschrocken singt er am Flügel und Mikrofon gegen die Mächtigen und die Machtverhältnisse in der Welt an. Er mischt sich ein und fordert seine Zuhörer dazu auf "Sage nein!"
Die aber sagen ja zu ihm! Sie mögen den Poeten, Entertainer, Sänger, Komponisten, Autor und Schauspieler, schätzen die direkten Worte und die diskrete Poesie, die weitgreifenden Griffe in die Tasten und die kurzen Wege zwischen Herz und Verstand. Weckers unerschöpfliche Poesie malt ungewöhnliche Bilder. Aus genialer Musikalität und perfekter Spieltechnik erwachsen kraftvolle Tongebilde. Ist er Literat? Ist er Musiker? Jedenfalls vermag er es, über den Deckel des Flügels hinauszuschauen und sein Publikum zu begeistern.
Mit variabler Stimme stemmt er sich gegen gesellschaftliche Schieflagen, ruft Senioren zur Revolte auf, reißt nicht nur im "Waffenhändler-Tango" Fassaden ein, sondern baut auch Gefühle auf: "Ohne dich kann ich nicht leben und mit dir kann ich nicht sein!". So nah erlebt, gewinnt seine Poesie noch an Gewicht.
Wecker gibt sich kraftstrotzend, haut in die Tasten und ist nach etlichen Zugaben ganz schön ausgepowert. "Genug ist nicht genug" heißt eines seiner Lieder. Aber irgendwann ist es eben doch genug! Auch für diesen manchmal lauten, mal leisen Mann am Klavier, der mit begeistertem Beifall verabschiedet wird!
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