Tanzen verboten: Gitarren-Legende Eric Clapton spielt auf dem Münchner Königsplatz gegen die Fadheit an
Man darf die Schuld nicht den Münchnern in die Schuhe schieben: Dass am Sonntagabend auf dem Königsplatz nicht die ganz große Stimmung aufkommt, liegt eher an den Ordnungskräften. Wenn einer wie Eric Clapton sein "Cocaine" über die halbe Innenstadt bläst und der gewaltige Phonsturm bis zur Feldherrenhalle fegt, dann gibt es eben Leute, die auch mal vor der Bühne abtanzen wollen. Und es tut der Atmosphäre eines Rockkonzerts einfach nicht besonders gut, wenn aufgeheizte Stimmungsmacher abgeblockt und zu den Stühlen zurückgeschickt werden. Zumal es sich bei "Cocaine" um den letzten Song vor der Zugabe handelt und die beiden Limousinen schon längst vorgefahren sind, die Eric "Slowhand" Clapton und Band möglichst flott in Sicherheit bringen sollen.
Kaum Hits im Programm
Mega-Songs, wie "I Shot The Sheriff", "After Midnight" oder "Knockin' On Heaven's Door" machen einen Clapton-Gig erst richtig rund - aber solche Nummern werden schmerzlich vermisst an diesem Abend. Das Konzert ist gut gemacht, keine Frage. Clapton spielt brillant. Aber über weite Strecken plätschert das Ganze halt nur brav dahin. Mangels Mitklatschern stellenweise "a wengerl fad", wie der Oberpfälzer sagen würde.
Tanzen verboten: Gitarren-Legende Eric Clapton spielt auf dem Münchner Königsplatz gegen die Fadheit an
Dass Clapton einer der begnadetsten Gitarristen dieses Planeten ist, steht außer Frage. Seine Zupftechnik und sein virtuoses Spiel werden über riesige Videoschirme bis zu den Zaungästen, die hinten am Obelisken sitzen, übertragen. Er ist eine Legende. Hat mit den Allergrößten des Musikgeschäfts zusammengearbeitet. Schon im verregneten Vorprogramm erlebte das Publikum übrigens einen Musiker mit großem Nachnamen: Jakob Dylan, der deutlich hörbar auf den musikalischen Pfaden seines Vaters Bob wandelt.
Clapton beginnt um 20.15 Uhr mit "Tell The Truth". Der erste Sicht- und Hörkontakt. Riesenbegeisterung bei den 20 000. Die weit geschnittene Bluejeans hängt am Gesäß des 63-Jährigen. Kein Schweißtropfen tränkt den dunkelbraunen Pulli. Er legt noch ein paar Scheite drauf, bringt "Key To The Highway", dann die Muddy-Waters-Blues-Hymne "Hoochie Coochie Man". Tolle Nummern, wirkungsvoll gebracht.
Können statt Show
Clapton lässt es jetzt langsam angehen. Keine Lasershow, keine Hektik, kein Feuerwerk. Der Gitarrenmagier, der Jahrzehnte seines Lebens im Drogen- und Alkoholrausch verlor, wie er in seiner Autobiographie schreibt, gibt sich und seinen Mitspielern viel Raum zum Jammen. Clapton vermischt Stile und Rhythmen, macht Ausflüge in den Jazzrock. In solchen Augenblicken herausragend: Gitarrist Doyle Bramhall II und Keyboarder Chris Stainton. Eine Reihe von Songs wird auf der Akustikgitarre und im Sitzen gespielt. Stücke wie "Nobody Knows You When You're Down And Out", "Travellin' Riverside Blues" und "Running On Faith".
Tanzen verboten: Gitarren-Legende Eric Clapton spielt auf dem Münchner Königsplatz gegen die Fadheit an
Bei "Wonderful Tonight" - es geht dem Finale zu - lässt sich Clapton die Sterne vom Himmel runter auf die Bühne holen. "Layla", einst mit Derek and the Dominos eingespielt, wird gestreckt und genüsslich ausgequetscht wie eine Zitrone. Als Zugabe gibt's "Crossroad". Die Fans, die längst von ihren Sitzen aufgesprungen sind, bleiben stehen, wollen mehr. Aber Clapton ist längst schon auf dem Weg ins Hotel.
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RD (195.93.x.x) | 20.08.2008 22:20 Uhr
Also das Konzert plätscherte bei weitem nicht dahin. Vielleicht sollte man sich auch einmal überlegen, dass es Einen oder so Manchem treffend im absoluten Konzertgenuss stört, wenn mancher Besucher sich in seinen Mittelpunkt rückt und tanzen will, dies laustark auch noch bekundet, mit seinen Freunden lautstark darüber diskutiert und die, die den Virtuosen auf der Bühne in erstklassiger Aktustik erleben wollen, immens stört. Dazu gibt es andere Tanztempel als den Königsplatz , oder wollteman einfach mit einer günstigeren Karten (wie live erlebt) sich unverschämt nach ganz vorne ohne Kontrolle bewegen? Clapton hatte in München ein Problem und das waren nicht die Ordner die die Leute nicht tanzen ließen, dazu war auch bei knapp 20.000 schon mal kein Platz vorhanden! Sondern er haderte mit der Tatsache, dass er nur bis 22Uhr pünktlich Musik machen durfte, mitten in der Landeshauptstadt. Deswegen musste er in das Auto und zurück ins Hotel. Zu bemerken die einzigartige Kulisse dieses Königs Platzes, der junge Dylan der ein Vorkonzert ablieferte, dass beeindruckte und dieserer klar in die Fußstapfen des Vaters tritt. Ein Spitzenkonzert an einem leicht regnerischen Sommerabend, dass - wie auch geschrieben - zeigt, dass Clapton zu den Größten im Musikbusiness gehört.
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