Aufschlussreiche Arbeitstagung des Instituts für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte über Jan Hus und die Hussiten
Das Regensburger Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte hat sich, wie der Name andeutet, das Ziel gesetzt, Kirche und Kulturgeschichte wissenschaftlich zu erforschen und darzustellen - und das nicht nur in den ehemaligen Ostgebieten, sondern auch dort, wo deutsche kirchliche und kulturelle Einflüsse nachweisbar sind, Zu den wichtigsten Einrichtungen des Vereins gehören neben den Publikationen seine Arbeitstagungen.
Die nunmehr 46. fand jüngst statt und stand unter dem Thema "Die hussitische Revolution - religiöse, politische, regionale Aspekte". Der Vorsitzende Monsignore Dr. Paul Mai hatte im Schloss Spindlhof in Regenstauf zu diesem großen Themenspektrum neben deutschen Vortragenden auch Referenten aus der tschechischen Republik zu Gast. Die Besucher kamen aus Prag, Brünn und Tabor, der ehemaligen Hochburg der Hussiten, sowie vom Hus-Museum in Konstanz, das zugleich Sitz der Vereinigung der Städte mit hussitischer Geschichte und Tradition ist.
Aufschlussreiche Arbeitstagung des Instituts für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte über Jan Hus und die Hussiten
Das Institut hatte den Mut, Professor Georg Denzler mit der Frage nach der Reformbedürftigkeit der römischen Kirche um 1400 beginnen zu lassen. Er schilderte kompromisslos eine Kirche, der es mehr um Einnahmen und Macht ging als um ihre eigentliche Aufgaben. Und die Kirche - "semper reformanda" - vergaß auch diese Aufgabe, nämlich immer zu reformieren.
Der Preis für dieses Versäumnis, auch noch nach der hussitischen Revolution, sei die lutherische Reformation gewesen. Professor Peter Hilsch, der in einem Regensburger Verlag die jüngste Hus-Biografie herausgegeben hat, ließ die Vita des Reformators Revue passieren: Der arbeitete zunächst mit dem Prager Erzbischof an der Reform der böhmischen Kirche zusammen, geriet dann unter den Einfluss der Ideen des Engländers Wyclif.
Es folgte der Kirchenbann, auf dem Konzil zu Konstanz wurde er eingekerkert. Zu den gewichtigsten Ursachen dafür dürften sein Angriff auf die kirchliche Hierarchie sowie auf die Herrschaft und das Eigentum der Kirche gehört haben. Die Verbreitung seiner zunehmend scharfen Kirchenkritik durch seine Predigten in alle Schichten der Bevölkerung hinein bildete ebenfalls "Angriffsfläche".
Aufschlussreiche Arbeitstagung des Instituts für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte über Jan Hus und die Hussiten
Kardinal Vlk, der Erzbischof von Prag, sagt heute zum Tod des Jan Hus auf dem Scheiterhaufen: "Das Kirchenrecht wurde ohne Liebe angewandt". Aber nicht nur Hus gab der Bewegung Ideen. Doktor Jaroslav Boubín, Dozent in Prag, stellte die Ausführungen des um 1380 in Südböhmen geborenen Petr Chelcický vor.
Dieser Laie sah in der Kirche und in der Dreistände-Ordnung den "apokalyptischen Antichristen" und nahm die Forderung nach der Gleichheit aller Menschen vorweg: Priester- und Adelsstand sollten abgeschafft werden. Als Utopist hielt er allerdings keine Lösung für kirchliche und staatliche Ordnungen bereit.
Kaplan aus Vohenstrauß
Professor Franz Fuchs von der Universität in Würzburg beschrieb das Wirken und den Tod eines Ulrich Grünsleder, der vor 1382 in Vohenstrauß das Licht der Welt erblickt haben muss. Dieser Kaplan der später abgerissenen Achakirche, also der Regensburger Rathauskapelle, hatte als erster Bayer die Werke des Jan Hus ins Deutsche übersetzt. 1421 starb er in Regensburg als Ketzer den Feuertod.
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Dr. Miloslav Polívka (Prag) schilderte später die große Bedeutung Nürnbergs in der Hussitenzeit. Professor Franz Machilek aus Bamberg, einer der Moderatoren der Tagung, stellte Schlesien als Hort des Widerstandes gegen die hussitische Bewegung heraus, und Heike Faltenbacher die Stadt Eger als antihussitisches Zentrum und Verhandlungsort beider Parteien vor dem Basler Konzil.
Auf eine "völlig andere Ebene" (Machilek) als die der Wissenschaft begaben sich die Tagungsteilnehmer, als sie das Historienspiel "Vom Hussenkrieg" in Neunburg vorm Wald besuchten. Im Stück wird eine kriegerische Gewaltspirale gezeigt, die in den Fehlern der Kirche und des Reiches auf der einen und in der Verrohung der hussitischen "Gotteskrieger" auf der anderen Seite ihre Ursache hatte.
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