Von Peter Klewitz  |  30.01.2008  | Netzcode: 1249141
Regensburg

Pulverdampf für ein besseres Klima

Vier Männer und eine Frau machen Hans Schaidinger den Regensburger Rathaus-Thron streitig

Regensburg. Es wird spannend am 2. März. Regensburgs CSU sieht nach ihrer noch keineswegs beendeten, sondern nur in die Katakomben verbannten Schlammschlacht ihre absolute Rathaus-Mehrheit gefährdet. Mit der hatte sie die vergangenen sechs Jahre Hans Schaidingers Vorstellungen von Stadtpolitik mühelos durchgedrückt. Aber jetzt könnte es eng werden.

Nach den Grabenkämpfen in der Regensburger CSU tritt Oberbürgermeister Hans Schaidinger mit viel Gegenwind zur Wiederwahl an.   Bild: Götz
Nach den Grabenkämpfen in der Regensburger CSU tritt Oberbürgermeister Hans Schaidinger mit viel Gegenwind zur Wiederwahl an. Bild: Götz
Fünf Kandidaten treten gegen den amtierenden OB an: aus der SPD Joachim Wolbergs, von den Grünen Jürgen Mistol, von der FDP Horst Meierhofer, für die ÖDP Eva Schmid und für die Freien Wähler Ludwig Artinger. Sie alle wittern Morgenluft dank der Spaltung bei den Christsozialen. Dabei hätte noch vor vergangenem Frühjahr keiner der fünf Thronprätendenten für Hans Schaidinger eine ernsthafte Bedrohung dargestellt.

Doch durch die Dauerquerelen, die selbst die Christsoziale Parteispitze in München beschäftigte, und schließlich durch die Abspaltung des so genannten Fürst-Lagers in die Wählervereinigung Christlich Soziale Bürger (CSB) haben sich die Gewichte verschoben. Die CSB hat angekündigt, den OB-Kandidaten der Freien Wähler zu unterstützen.

Dieser, der Richter am Landgericht Regensburg Ludwig Artinger (51), nimmt an Amtsinhaber Schaidinger "Ermüdungserscheinungen" wahr. Neben "zu vielen Baustellen", die liegen geblieben seien, spüre er in der Bevölkerung tiefen Unmut und Unzufriedenheit über die Gesprächskultur und den Politikstil, der in Regensburg herrsche. "Zuhören, miteinander reden und entscheiden", umreißt Artinger knapp sein Wahlkampfprogramm.

Auf Schmusekurs



Eigentlich wäre nicht er, sondern SPD-Fraktionsvorsitzender Joachim Wolbergs (36) der Hoffnungsträger des Anti-Schaidinger-Lagers, weil die SPD die stärkste Opposition darstellt. Dass "Woli" Wolbergs in Sachen Stadthallen-Standort mal einen Schmusekurs mit Schaidinger gefahren und dass die SPD noch während des CSU-Streits dummerweise ihren eigenen Grabenkampf ausgefochten hat, war der Position des chancenreichsten Gegenkandidaten aber nicht förderlich.

Joachim Wolbergs hat die Vorbereitung des demographischen Wandels zum sozialen Kernthema seines Wahlkampfs erklärt. Gute Einrichtungen für hilfebedürftige ältere Menschen, auf sie ausgerichtete kulturelle Einrichtungen und die Sorge um Randgruppen schreibt der Sozialdemokrat auf sein Panier. An der Wirtschaftspolitik á la Schaidinger sieht er keinen Änderungsbedarf.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Mistol (42) sieht in den Themen Klimaschutz und Verkehr den Schwerpunkt seiner Wahlpolitik. Er setzt sich für die Einrichtung einer Stadtbahn ein - ein Gedanke, mit der sich auch die CSU schon angefreundet hat. Auch am Projekt "Soziale Stadt" will er arbeiten und der Generation über 60 seine Aufmerksamkeit widmen.

Rathauschef will auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Horst Meierhofer (35) werden. 2002 als Senkrechtstarter in den Stadtrat gewählt, bemängelt Meierhofer, dass er dort in Informationen und Entscheidungen erst dann eingebunden werde, "wenn es wirklich nicht mehr anders geht". Bürgerschaftliches Engagement wie Bürgerentscheide würden von den Regierenden oft als Störfaktor empfunden und damit die Leute vergrault.

Fünfte Anwärterin auf den Thron des Oberbürgermeisters ist die ÖDP-Kandidatin Eva Schmid (44). Die Fachlehrerin für Hauswirtschaft war lange Landkreis aktiv. Weil die anderen Kandidaten durchwegs männlich sind und weil sie die Lebensgrundlagen und die der Kinder stärker schützen will, tritt sie an. Neben dem Einsatz für Klimaschutz hält sie auch das Klima in der städtischen Kommunikationskultur für verbesserungswürdig.

Kompetenz unbestritten



Das ist ein Vorwurf, der alle Gegenkandidaten Schaidingers beflügelt. Doch ungeachtet seines auch in der Bevölkerung kritisierten Führungsstils gilt der OB selbst bei seinen Gegnern als kompetent. Kaum jemand stellt die Verdienste des 58-jährigen Volkswirts um Regensburgs prosperierendes Wirtschaftswachstum in Frage, niemand trifft ihn unvorbereitet an.

Da er mit dem Wahlkampfmotto "Wachstum gestalten. Finanzen sichern. Heimat bewahren. Verantwortung übernehmen" so ziemlich alles abdeckt, was es in der und für die Bezirksmetropole zu tun gibt, müssen sich seine Gegenkandidaten auf die Nischen konzentrieren, in denen sie Defizite ausmachen.


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