Von (dpa)  |  26.02.2008  | Netzcode: 1283379
Freiburg

Bitte bloß nicht stillsitzen!

In Freiburg hat die erste deutsche "Sportgrundschule" den Betrieb aufgenommen

Freiburg. (dpa) Constantin, Sarah, Julia und Benedikt dürfen im Unterricht rennen, springen, klettern und turnen. Stillsitzen ist dagegen nicht gefragt. Die sechs und sieben Jahre alten Jungen und Mädchen gehen nämlich nicht auf eine normale Schule. Sie besuchen die "bewegte Schule" in Freiburg in Süddeutschland.

Schule mit eigener Kletterwand: Davon können
Schule mit eigener Kletterwand: Davon können viele "normale" Schüler nur träumen. Bild: dpa
Das ist die erste Sportgrundschule Deutschlands. Sie wurde vor etwa einem halben Jahr eröffnet. Sport und Bewegung gehören für die 20 Schüler und sechs Lehrer zum Schulalltag dazu - sogar in Fächern, die gar nichts mit Sport zu tun haben.

Ein Beispiel: Mathe. Zum Rechnen gehen die Kinder manchmal auf die Kegelbahn. "Es stehen immer neun Kegel", sagt Benedikt. "Manchmal fallen viele um, manchmal nur ganz wenig." Dann kann man überlegen: Wenn nur noch fünf stehen - wie viele sind dann umgefallen? Und wie oft musste man dafür werfen?

Der Spaß geht vor



Beim Kegeln geht es für Benedikt und seine Mitschüler vor allem um den Spaß. "Wer gewinnt, ist eigentlich egal", sagt er. Und die Regeln sind auch nicht so wichtig. "Eigentlich darf man nicht auf der Bahn laufen", sagt Sarah. "Aber dann trifft man nicht so gut."

Sportgrundschule


Vor etwa einem halben Jahr wurde in Freiburg die "bewegte Schule" eröffnet. Es ist eine Sportgrundschule, in der die Schüler sich auch im normalen Unterricht viel bewegen sollen. Derzeit hat die Schule 20 Schüler. Jedes Jahr kommen neue Klassen hinzu. In drei Jahren sollen es 200 Kinder sein, die auf die Sportgrundschule gehen.

Die Schule ist eine Privatschule. Sie kostet Geld: In der Regel müssen die Eltern jeden Monat 290 Euro dafür bezahlen, dass ihre Kinder dorthin gehen dürfen.
Auch in anderen Fächern wie Deutsch und Sachkunde muss niemand lange sitzen. Manche Aufgaben lösen sie im Laufen, andere beim Spielen.

Neun Stunden



Pro Woche stehen außerdem neun Stunden Sport auf dem Plan. An gewöhnlichen Schulen sind es meist drei. Die Kinder der Sportgrundschule, die alle sechs oder sieben Jahre alt sind, machen Ballspiele und Kletterübungen. Sie rennen und schwimmen um die Wette, spielen Tennis und machen Judo, hüpfen mit dem Seil und springen auf einem großen Trampolin. Es gibt mehrere Sporthallen, ein Schwimmbad und ein großes Sportgelände im Freien.

Die Sportgrundschule ist eine Ganztagsschule. Das heißt: Die Schüler essen in der Schule und bleiben auch am Nachmittag dort. Dafür müssen sie keine Hausaufgaben machen. "Das ist toll", sagt Sarah. "Meine Schultasche lasse ich in der Schule." Lernen müssen die Schüler der Sportgrundschule natürlich genauso viel wie an einer normalen Schule.

Lernen durch Bewegung



Berühmte Sportler sollen die Schüler später nicht werden. "Es geht darum, dass die Kinder sich bewegen und dadurch etwas lernen", sagt der Leiter der Schule, Günther Giselbrecht. "Wer dabei der Schnellste ist, darf sich freuen." Für die Schulnoten spiele das aber keine Rolle.


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