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05.06.2008  | Netzcode: 1403209
WEIDEN

Deutlich "Nein" sagen

Theaterstück zum Thema "Grenzverletzungen"

Foto aus HUP-Import
Theater für Kinder. (Bilder: Schmidt)
WEIDEN. Jedes Kind hat wohl ähnliche Situationen schon einmal erlebt: Die Tante hat eine Tafel Schokolade mitgebracht und verlangt dafür ein dickes Bussi. Oder Opa spuckt kräftig aufs Taschentuch und will damit der Enkelin das Gesicht säubern. Einfach ekelig findet man das als Kind und möchte das auch nicht über sich ergehen lassen. Das Theaterstück "Mein Körper ist mein Freund" ermutigt Kinder dazu, deutlich ihre Meinung zu sagen. Doch nicht nur um diese kleinen "Grenzverletzungen" geht es, sondern auch um das Thema "Sexueller Missbrauch".

Das dreiköpfige Ensemble vom Spielwerk Theater Eukitea gastierte vergangenen Freitag am Sonderpädagogischen Förderzentrum/Stötzner-Schule und spielte das Präventionsstück vor 131 Kindern (zu Gast war auch eine Klasse der Gerhardingerschule). Rund 50 Minuten verfolgten die Schülerinnen und Schüler der 1. bis 6. Klasse gebannt das Geschehen auf der Bühne.

Dabei sollte das Stück trotz ernstem Inhalt auch Spaß machen. Das gelang zweifellos, die Kinder forderten begeistert eine Zugabe. Was nicht nur die jungen Schauspieler freute, sondern auch die Initiatorin Corina Lutz, Schulsozialarbeiterin an der Stötzner-Schule und Diplomsozialpädagogin: "Wir haben schon viele Theaterstücke gesehen, aber dass die Kinder eine Zugabe wollten, habe ich noch nicht erlebt."

Mit einfachstem Bühnenbild, wenig Requisiten und ganz dicht am Publikum agierten die drei Schauspieler, Sänger und Musiker. Sie zeigten spielerisch, aber deutlich, Grenzverletzungen und sexuellen Missbrauch an vielen Beispielen aus dem Alltag von Kindern: der Trainer im Sportverein will mit unter die Dusche, der Lehrer sucht merkwürdig viel Körperkontakt, ein Bekannter steht plötzlich vor der Tür und möchte reinkommen, obwohl man allein zu Hause ist, oder der eigentlich immer so nette Onkel aus dem Schrebergarten "fasst einen so komisch unten an".

Immer wurde die richtige Reaktion für das junge Publikum gleich mitgeliefert. Die Kinder sollen auf ihr Bauchgefühl hören, laut "Nein" sagen oder "Fass mich nicht an" und das Erlebte nicht verschweigen, sondern Eltern, Lehrern, Freunden erzählen, Menschen, denen sie vertrauen. "Es gibt gute und schlechte Geheimnisse", erfuhren die Schüler. "Die schlechten Geheimnisse, die Bauchschmerzen machen, darf man weitererzählen, dann geht es einem besser."

Die Sozialpädagoginnen Corina Lutz (links) und
Die Sozialpädagoginnen Corina Lutz (links) und Christine Klein freuen sich über die gelungenen Theateraufführungen. Bilder: Sandra Schmidt
Den Kindern soll mit "Mein Körper ist mein Freund" auch ein positives Körpergefühl vermittelt werden. Sie sollen sich in ihrem Körper wohl fühlen. Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie sie sich bei Erwachsenen Gehör verschaffen können (indem sie zum Beispiel auch mal die Stereoanlage in ihrem Zimmer voll aufdrehen, bis Mama plötzlich doch Zeit hat zu reden).

Zu dem Theater-Präventionsprojekt gehört immer eine Vor- und Nachbereitung. Die Lehrer wurden im Vorfeld fortgebildet. Bereits am Donnerstag waren die Eltern eingeladen, das Stück zu sehen und zu diskutieren. Mit vor Ort: die Diplom-Sozialpädagogin und Erzieherin Christine Klein, die für das Projekt Fenestra an der Fachhochschule Benediktbeuern tätig ist, das sich der Prävention von sexueller Gewalt verschrieben hat. Dabei waren außerdem Mitglieder des Arbeitskreises "Sexuelle Gewalt gegen Kinder Weiden/Neustadt" sowie Vertreter des Stadtjugendamts Weiden, des Vereins Dornrose, des Frauenhauses Weiden, von Donum Vitae, von Die Initiative, des Bayerischen Roten Kreuzes sowie der Fachambulanz für Suchtprobleme der Caritas. Die Eltern lernten dabei ihre möglichen Ansprechpartner in Weiden kennen und erfuhren, wie wichtig es ist, ihren Kindern zuzuhören, aufmerksam zu sein. "Kinder spüren das, wenn Erwachsene sie ernst nehmen", erklärte Christine Klein.

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