Familienhilfe der Caritas will "Achten statt Ächten"
Wollen jungen Menschen und Familien helfen: Elmar Brandl (von links), Ulrike Seibert, Erna Weis, Marianne Fütterer und Jürgen Kundrat. Bild: Harald Mohr
TIRSCHENREUTH. Die heile Welt ist auch das Stiftland nicht mehr: Das Jugendamt am Landratsamt Tirschenreuth lässt zurzeit 65 Kinder von der "Sozialpädagogischen Familienhilfe" (SPFH) der Caritas betreuen. Im Jahr 2006 waren es noch etwa 45. "Viele, die früher weggeschaut haben, schauen nicht mehr weg", glaubt Jürgen Kundrat, der Geschäftsführer des Caritasverbandes für den Landkreis Tirschenreuth bei der Vorstellung des Tätigkeitsberichts 2007.
Erna Weis, Marianne Fütterer, Nadine Wolfrum, Ulrike Seibert und Elmar Brandl sind der ambulante Dienst der Jugendhilfe, zu der neben der SPFH noch die "Erziehungsbeistandschaft" (EBS) gehört. 21 Jugendliche werden hierbei betreut. Den Unterschied der beiden Maßnahmen erklärt Marianne Fütterer: "Bei der SPFH steht die Familie als Gesamtes im Vordergrund, bei der EBS versucht man, die einzelnen Jugendlichen bei der Verselbstständigung zu unterstützen."
Bei der SPFH hilft die Caritas zum Beispiel bei Behördenangelegenheiten, bei der Erziehung oder bei Partnerschaftskonflikten. Ziel ist immer die Hilfe zur Selbsthilfe. Der Erziehungsbeistand betreut einzelne Kinder und Jugendliche, indem er Anregungen für eine sinnvolle Freizeitgestaltung gibt, bei Schwierigkeiten in der Schule hilft oder bei der Lehrstellensuche hilft.
05.06.2008
| Netzcode: 1403211
TIRSCHENREUTH
Nicht böse, sondern hilflos
Familienhilfe der Caritas will "Achten statt Ächten"
Jürgen Kundrat ist der Meinung: "Kriminalität beginnt nicht erst bei der Straftat." Die Ursachen lägen vielmehr "in sozialer Ausgrenzung, Armut sowie fehlenden Bildungsabschlüssen und Zukunftsperspektiven". Die Familien, die SPFH bekommen, sind überwiegend ALG 2-Empfänger, viele Alleinerziehende sind darunter. Auch zwölf der 21 Jugendlichen, bei denen EBS geleistet wird, werden nur von einem Elternteil erzogen. Marianne Fütterer nimmt die Eltern in Schutz: "Es sind keine bösen, sondern hilflose Eltern."
Maximal zwei Jahre dauert die Sozialpädagogische Familienhilfe, kann aber auch von jeder Seite jederzeit abgebrochen werden. Das komme jedoch selten vor. Dass die Familienhilfe etwas bringe, zeige schon "allein die Dauer", findet Marianne Fütterer. Viele würden sogar noch nach der offiziellen Betreuung anrufen. "Manchmal kommt hinterher auch ein Brief", berichtete Elmar Brandl.
Alle sechs Wochen gibt es bei der Caritas eine "Kaffeestube". Sie werde gerne angenommen: "Der Raum ist voll", berichtete Marianne Fütterer. "Einmal im Jahr gibt es eine Art Familienausflug", fügte Erna Weis hinzu. Dies sei wichtig. Denn: "Es gibt Familien, die gehen nie raus mit ihren Kindern."
05.06.2008
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TIRSCHENREUTH
Nicht böse, sondern hilflos
Familienhilfe der Caritas will "Achten statt Ächten"
"Wichtig ist die Vernetzung", weiß Marianne Fütterer. Man arbeite eng zum Beispiel mit Schulen, Kindergärten oder der Bewährungshilfe zusammen.
Die Angebote SBFH und EBS sind im Gesetz vorgesehen und werden vom jeweiligen Jugendamt an Träger vergeben, wie im Falle Tirschenreuth überwiegend an die Caritas. Wer die Leistungen beanspruchen will, wendet sich daher an das Kreisjugendamt im Landratsamt Tirschenreuth. Das Jugendamt entscheidet, falls die Voraussetzungen vorliegen, dann über den Antrag. Harald Mohr
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