19.06.2008  | Netzcode: 1421556
FRIEDENFELS

Vive "La France"

Historische Rosensorten im Pfarrgarten

FRIEDENFELS. Als Klaus Haußmann vor 15 Jahren Pfarrer in Friedenfels wurde, war der kleine Garten vor dem Pfarramt "ziemlich vernachlässigt", erinnert sich der heute 45-Jährige. "Das erste, was ich eingepflanzt hatte, waren drei Rosenstöcke." Inzwischen sind es 80 überwiegend historische Sorten. Darunter die "älteste Gartenrose der Welt", die Rosa gallica, auch Essigrose genannt. Diese wichtige Stammart der heutigen Gartenrosen fand Klaus Haußmann auf dem Friedenfelser Friedhof. Sie kommt immer noch zerstreut wild vor.

Foto aus HUP-Import
Pfarrgarten als Rosengarten. (Bilder: Harald Mohr)
Pfarrer Haußmann sieht seinen Pfarrgarten auch als Lehrgarten und hat darin die wichtigsten Stationen der Rosenzucht festgehalten. Zum Beispiel die "Perle von Weißenstein" aus dem Jahr 1772 (die mit der Ruine Weißenstein bei Friedenfels aber nichts zu tun hat). "Es war die erste gezielte deutsche Rosenzüchtung."

Der Prototyp hatte noch Macken. "Ich habe nur einmal eine offene Blüte gesehen", berichtet Pfarrer Haussmann. Sei's drum, auch eine Knospe kann schön sein. Dass die alten Sorten so lange überlebt haben, hängt damit zusammen, dass sie genetisch einheitlich sind. Vor 1850 pfropfte man nicht eine Knospe einer hochwertigen Sorte einer minderwertigen Sorte auf (Okulieren), sondern grub einfach die Wurzeln einer besonders schönen natürlichen Variante aus und vermehrte sie. "Deshalb können alte Sorten manchmal Jahrhunderte auf einem Standort überleben."

Foto aus HUP-Import
Klaus Haussmann.
Im 16. Jahrhundert war man schon stolz, auf diese Weise 30 Sorten herausgearbeitet zu haben. Berühmt wurde die Rosensammlung von Josephine, der ersten Frau von Napoleon, auf Schloss Malmaisonne. Solche "Roseninseln" wurden dann auf den europäischen Fürstenhöfen en vogue. Man begann mit gezielten Züchtungen. "Frankreich war das Zentrum", erklärt Pfarrer Haußmann.

In Fernost war man schon weiter. 1824 führte man die "Teerosen" aus China in England ein. Man hatte ihnen Eigenschaften angezüchtet, die man auch von den modernen Gartenrosen kennt: Während die natürlichen Rosen das zarte Rosa ihrer kleinen Blüten nur kurz zeigen, leuchteten die Teerosen lange auch in intensivem Rot, Gelb oder Orange. Sie hatten aber einen entscheidenden Nachteil: "Sie waren nicht frosthart und eher klein."
Nicht optimal für Europa also.

Die "La France" aus dem Jahr 1868 ist die erste
Die "La France" aus dem Jahr 1868 ist die erste "moderne" Zierrose der Welt. Bilder: Harald Mohr
Deshalb begann man hier, die Teerosen mit eigenen Sorten zu kreuzen, die "Tee-Hybriden" entstanden. Im Jahr 1868 gelang so die erste "moderne" Rose, der Tee-Hybrid "La France". Im 19. Jahrhundert waren zu dieser Zeit schon etwa 6000 neue Sorten entstanden. "Davon sind bis heute einige Hundert erhalten." Die historischen Sorten im Pfarrgarten von Friedenfels waren da hartnäckiger. Weil sie aber nur einmal im Juni blühen, gibt es seit drei Jahren dort das "Rosenfest", damit man sie alle zusammen blühen sehen kann.

Am Sonntag, 22. Juni, ist es wieder so weit. Pfarrer Haußmann führt zwischen 13 uns 18 Uhr durch seinen Garten. Der Mütterverein Friedenfels verkauft Kaffee und Kuchen. Der Erlös geht an den Verein "Deutsche Hospitalité Notre Dame de Lourdes e.V.", den Baronin Adelheid von Gemmingen-Hornberg leitet. Der Verein unterstützt deutsche Lourdes-Pilger.

Harald Mohr


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