Weiherhammer
Qualität aus einem Guss
Gusstec in Weiherhammer fertigt wichtige Teile für Maschinen und Anlagen in aller Welt
Weiherhammer. Ziemlich finster ist es in der Fabrikhalle, der Boden ist teilweise mit schwarzem Sand bedeckt, der Lärm schlägt gewaltig auf die Ohren: Wir befinden uns im "Vorhof der Hölle", wie Joachim Placzek, der Geschäftsführer der Firma Gusstec scherzhaft sagt. Aber der Eindruck, man sei in der Fabrik in Weiherhammer in einem alten Stahlwerk gelandet, täuscht gewaltig. Hier findet Hochtechnologie statt, als Ergebnis von Ingenieurs- und Handwerkskunst, um nach exaktesten Vorgaben Produkte zu liefern, die in alle Welt gehen.
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| Nicht nur das Gießen ist bei Gusstec eine energieintensive Angelegenheit. Das Unternehmen spart deshalb Energie, wo es nur geht. Bilder (2): Ingrid Popp |
Äußerst präzise Arbeit
Der diplomierte Wirtschaftsingenieur deutet mit der rechten Hand auf ein metallenes Ungetüm auf dem Hof: "Das sind die Entstaubungsanlagen, es sind insgesamt acht Stück, ohne die würde man in der Halle die Hand nicht vor den Augen sehen." Das enorme Gewicht der Gussteile lässt eine automatisierte Produktion nicht zu. Deshalb benötigt Gusstec vor allem Fachkräfte mit hohen handwerklichen Fähigkeiten und Ingenieure, die äußerst präzise technische Vorgaben machen.
Da kommt es drauf an, dass Temperaturen von über Tausend Grad genauestens eingehalten werden, die Dichte des Materials exakt geprüft und der Durchmesser von Metallteilen auf Hundertstel Millimeter genau berechnet wird.
Derzeit aber herrscht in Deutschland Fachkräftemangel. "Den letzten, den wir eingestellt haben, war aus der Nähe von Bremen. Sie sehen, wir suchen deutschlandweit". Da ist es selbstverständlich, dass Gusstec auch selbst ausbildet, zurzeit sind es zehn Azubis. Gesucht werden vor allem Gießereimechaniker, Werkstoffprüfer und Modellbauer.
Dass die Produktion sehr energieintensiv ist, sieht man auf den ersten Blick. Die elektrischen Schmelzöfen können bis zu neun Tonnen fassen, das Fassungsvermögen des Glühofens beträgt 15 Tonnen. Mit zwei elektrischen Induktionstiegel-Öfen werden Teile aus Grauguss und Sphäroguss im Handformguss in Einzel-und Kleinserien gefertigt. Auch Gussteile von bis zu zehn Tonnen stellen für die Fachleute kein Problem dar.
12 000 Tonnen Eisenguss
Insgesamt verbraucht Gusstec 18 Millionen Kilowatt Stunden Strom im Jahr, "aber was die Energieeffizienz anbelangt, da werden Sie nicht viele Unternehmen in Deutschland haben, die eine solche positive Energiebilanz aufweisen, erklärt Placzek.
Gusstec produziert insgesamt 12 800 Tonnen Eisenguss, bei einem Umsatz von 27 Millionen Euro. 84 Prozent der Fertigung gehen ins Inland, 16 Prozent in den direkten Export. Placzek deutet auf ein schweres metallenes Gehäuse, das im Licht der Scheinwerfer silbrig glänzt: "Das ist der hydrostatische Antrieb für die stärkste Lokomotive der Welt. Das ,Trumm' liefern wir nach Norddeutschland."
Bevor all diese Teile die Werkshallen verlassen, werden sie einer strengen Prüfung unterzogen. Placzeck deutet auf einen monströsen Metallring: "Dieses Teil soll den Flügel eines Windrades tragen. Also wird er mit Ultraschall nochmals auf seine Wanddicke und Dichtigkeit hin untersucht. Jedes Werkstück hat, bevor es an den Kunden geschickt wird, eine umfassende Kontrolle hinter sich. Sowohl Sicht- als auch Maßkontrollen sind bei uns ebenso bindend wie Ultraschall- und Dichtigkeitsprüfungen." Qualität eben aus einem Guss.
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