Tolles Können der Clarinet News, aber wenig Gefühl zum Start der Sommermusiktage
Sie nennen sich "Clarinet News", heißen Marco Thomas, Jan Doormann, Sebastian Gette von Poblotzki, Stefan Polster, Regine Müller und Peter Übelmesser, kommen aus Bremen, Jena, Weimar, Halle, Chemnitz und München. Sie spielen alle Arten von Klarinetten und Saxofon und waren am Sonntag zum Auftakt der sommerlichen Musiktage im Rosengarten in Amberg zu Gast.
Hier passte das Ambiente wieder einmal perfekt: voll besetzte Bankreihen vor Rosenbüschen und -bögen, romantische Illumination mit Kerzen, Fackeln und bunten Leuchtstrahlern, bestens bestückte Getränkebar und gut gelaunte Besucher. Ein Sommerabend zum Verlieben also, bei dem das angekündigte Konzert nun noch das Sahnehäubchen sein sollte.
In 80 Minuten um die Welt
Der Anblick der befrackten Herren und der einzigen hübschen Dame war vielversprechend. Solche Reisebegleiter kann man sich nur wünschen. Ihrer Einladung "In 80 Minuten um die Welt" folgte man also gerne und mit gespannter Erwartung. Gleich zum Start legten die Sechs unerschrocken los. Von Amberg in die Welt: zuerst Wagners Bayreuth, dann weiter über Böhmen nach Wien und hinein in den Orientexpress.
Tolles Können der Clarinet News, aber wenig Gefühl zum Start der Sommermusiktage
Die Clarinet-News-Crew spielt unbestritten in der Spitzenkategorie. Sie beeindruckte von A bis Z durch fantastische Spieltechnik und großen Farbreichtum. In ihrem Repertoire hatten sie Originalkompositionen und fantasievolle Bearbeitungen von Klassik bis zum Champagnergalopp. Sie ließen die Korken knallen und die Trillerpfeife trillern.
Mit nuancierter Gestaltung, Flexibilität, rhythmischer Präzision und einem perfekt abgestimmten Zusammenspiel, loteten sie die unterschiedlichsten Stilrichtungen aus. Von Mozart zum Mambo und vom Märchenerzähler zum Schlangenbeschwörer eilten sie im hochmodernen Musik-Transrapid. Da muss jeder Handgriff sitzen. Und natürlich zeigten sie ihre Fähigkeiten, ihre hohe Qualität und ihre Flexibilität. Die einzelnen Stücke waren ausgefeilt und hochgetunt bis ins Letzte. Harmonie der Gruppe und Spitzenleistungen des Einzelnen waren gefordert und wurden auch gebracht.
Herz blieb auf der Strecke
Bei so viel technischer Finesse und Brillanz war der Kopf begeistert. Aber das Herz blieb irgendwie unberührt. Auch die locker leichten Moderationen des Zugführers konnten daran nicht viel ändern. Die Gefühle kamen einfach nicht mit. Beim Zwischenstopp in Nordamerika, bei Benny Goodman, da stimmte alles. Auch das wundervoll innige Mozart Adagio B-Dur traf den Nerv in der Gefühlsregion. Aber insgesamt war es eben doch ein zu gewagter Klarinetten-Spagat zwischen Klassik und et cetera.
Es war ein Abend wie im Märchen von der "zerstreuten Brillenschlange". Die hat sich selbst in den Schwanz gebissen und demontiert. Aber das tat sie mit so viel bewundernswertem Können und einem Hauch von Ironie, dass das Publikum dafür mit viel respektvollem Applaus dankte.
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