Mantel
Lichtblick hinter Gittern
Michaela Höfer betreut ehrenamtlich Gefangene - Vorbereitung auf ein Leben ohne Straftaten
Mantel. (sei) Ungewöhnlichen sozialen Dienst leistet die 38-jährige Michaela Höfer aus Rupprechtsreuth seit 2005. Sie betreut ehrenamtlich Strafgefangene in der Justizvollzugsanstalt Weiden. Eine Zeitungsanzeige der "Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern" hatte sie vor vier Jahren neugierig gemacht. Nach einem eintägigen Grundkurs im Pfarrheim St. Josef in Weiden legte sie los.
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| Michaela Höfer kennt keine Schwellenangst vor der Haftanstalt in Almesbach. Die 38-Jährige will Gefangene so weit bringen, dass sie sich später im bürgerlichen Leben zurechtfinden - ohne wieder auf die schiefe Bahn zu gelangen. Bild: sei |
Die Rupprechtsreutherin faszinierte das Thema Justiz und Strafvollzug schon als 20-Jährige, als ein zu lebenslänglicher Haft Verurteilter in einer Zeitschrift nach einer Brieffreundschaft suchte. Diesen Kontakt hält sie bis heute. Die verheiratete Mutter einer Tochter will dazu beitragen, bei den Gefangenen Defizite ihres sozialen Reifungsprozesses aufzuarbeiten, persönliche Schwierigkeiten zu lösen und die Eingliederung in das Leben in Freiheit zu unterstützen.
Oft einziger Sozialkontakt
Erste Kontakte gibt es per Briefwechsel, dann folgen regelmäßige Besuche. Höfer fährt jede Woche für zwei Stunden in die JVA Weiden, sie betreut immer nur einen Gefangenen. "Ganz wichtig sind Gespräche. Viele Gefangene haben weder Familie noch andere soziale Kontakte", sagt die Rupprechtsreutherin.
Die ehrenamtlichen Betreuer begleiten die Insassen auch bei Freigängen. "Am liebsten wollen die Gefangenen dann Essen gehen, meist bei Mc Donald's oder in die Eisdiele, oder einfach nur durch die Stadt bummeln."
Für etwaige Fluchtversuche wird der Betreuer nicht zur Verantwortung gezogen. Höfer hat indes keinen übertrieben ausgeprägten Sozialtick. "Mitleid ist nicht angebracht, jeder Täter hat sich seine Strafe selbst zuzuschreiben und muss auch seine Zeit absitzen." Sie will aber erreichen, dass die Häftlinge ein Dasein ohne Straftaten als lebenswertes Leben erkennen lernen.
Viele Insassen fühlen sich nutzlos, ausgegrenzt, unwürdig. Deshalb will die Betreuerin bei ihnen wieder Selbstwertgefühl aufbauen. Ihr Ziel ist keinesfalls, die Welt zu verbessern. "Schon ein Dankeschön freut mich wahnsinnig." Wichtig ist für die Frau, den Gefangenen vorurteilsfrei zu begegnen. Es ist für den Betreuer nicht wichtig, warum jemand einsitzt.
Im Gefängnis ist der Umgangston mit den ehrenamtlichen Betreuern keineswegs rau. Die Strafgefangenen seien höflich und zuvorkommend", versichert Höfer. Sie organisierte schon mal einen Spieleabend für 25 Insassen, die begrüßten sie alle ganz höflich mit Handschlag.
Zurzeit besucht Höfer regelmäßig ihren sechsten Betreuungsfall, einen 42-jährigen Mann, der noch einige Zeit eingesperrt bleibt. Vorher kümmerte sie sich um jüngere Männer im Alter von 25 bis 30 Jahren.
Zuerst entsteht persönlicher Kontakt im Besuchsraum, später steht ein Anwaltszimmer zur Verfügung und Höfer braucht sich nicht mehr an die offiziellen Besuchszeiten halten.
Das Engagement stößt im Umfeld der Betreuer meist auf Unverständnis. Aber die Ehrenamtlichen tragen dazu bei, Vorurteile gegenüber Gefangenen abzubauen und ihre Wiedereingliederung zu fördern. "Man gibt nicht nur, man bekommt auch was zurück", ist Höfer überzeugt. Einmal im Monat treffen sich die Betreuer zum Erfahrungsaustausch. Ansprechpartner sind Thomas Hartmann, Sozialpädagoge der JVA, und Andrea Konz, Sozialpädagogin beim Caritas-Kreisverband. Auch stellvertretender Anstaltsleiter Johann Betz schenkt allen gerne ein offenes Ohr.
Vielseitig interessiert
Einmal jährlich besucht Michaela Höfer eine dreitätige Fachtagung in Straubing. Als sie das erste Mal in den "Knast" ging, hatte sie schon Herzklopfen, nun sind die Besuche so selbstverständlich wie einkaufen gehen. Weitere Freizeit verbringt sie mit Walking, Besuchen im Fitness-Studio, Motorradfahren und Singen im Gospelchor "Hope and Joy". Die kaufmännische Angestellte würde, wenn sie noch mal vor der Berufswahl stünde, einen sozialen Beruf ergreifen, räumt sie ein.
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