Sulztalgletscher gibt nach über 50 Jahren Bergsteiger-Ausrüstung frei - Bisher keine Leiche(n)
Herbert Schöpf, der Wirt der Amberger Hütte in den Stubaier Alpen, fühlt sich ein bisschen an 1991 erinnert. Damals barg er zusammen mit dem Bergrettungsobmann und Polizeiinspektor von Lengenfeld zwei Leichen, die der Sulztalgletscher erst nach über 55 Jahren aus seinen eisigen Klauen freigegeben hatte. Jetzt gibt es wieder einen mysteriösen Fund nahe der Amberger Hütte.
Keine Leiche(n) bisher, aber mehrere Ausrüstungsgegenstände eines Bergwanderers, die ebenfalls mindestens 50 Jahre lang im selben Gletscher verborgen lagen. Erst jetzt hat sie der Eishang am 3361 Meter hohen Berg Wilde Leck "ausgespuckt", nachdem auch dieser Gletscher durch den Klimawandel immer mehr zurückgeht und einst zugefrorene Flächen wieder sichtbar werden.
An so einer Stelle hat eine Gruppe Extrembergsteiger aus Penzberg vergangene Woche eine seltsame Entdeckung gemacht: Die drei Männer und eine Frau fanden einen völlig zerfetzten und vermoderten Stoffrucksack, eine Lawinenschaufel, ein Seil, zwei Dosen Skiwachs und zwei Skistöcke. Letztere Gegenstände waren noch so gut erhalten, dass sie die Gruppe, die auf der Amberger Hütte übernachtete, mit zurück ins Tal nahm. Dort erregten die Vier mit ihrem Fund und ihrer Erzählung die Aufmerksamkeit von Hans Schöppl und seinen drei Begleitern aus Amberg.
Von (ath) |
08.09.2008
| Netzcode: 1525664
Amberg
Mysteriöser Fund aus eisigen Klauen
Sulztalgletscher gibt nach über 50 Jahren Bergsteiger-Ausrüstung frei - Bisher keine Leiche(n)
Der 76-Jährige war mit einigen Mitgliedern der Seniorengruppe der örtlichen Sektion des Alpenvereins ebenfalls Gast auf der Amberger Hütte - hauptsächlich, um sich von seinem alten Bekannten Herbert Schöpf zu verabschieden, der im Oktober nach 41 Jahren als Hüttenwirt in Ruhestand geht. Die Abschiedsfeier bekam natürlich eine besondere "Würze", als Schöppl seinen Freund von dem Fund des Quartetts informierte. Sofort fühlten sich beide Männer an die Geschichte von 1991 erinnert und selbstverständlich schaltete Herbert Schöpf gleich den zuständigen Polizeibeamten in Lengenfeld ein - derselbe Mann wie damals - mit dem er inzwischen die Reste der Ausrüstung, die die Extremkletterer nicht mitgenommen hatten, barg.
Im Umfeld des Fundortes ergaben sich zwar keine weiteren Hinweise auf einen Unglücksfall und ob der Gletscher vielleicht auch noch einen Toten freigibt, dem die Sachen gehörten. Aber dieser Verdacht, dass ähnlich wie 1991 noch eine Leiche zum Vorschein kommen könnte, ist jetzt natürlich gegeben, berichtete Schöpf der AZ am Telefon.
Er, der selbst Bergrettungsobmann ist, und sein "Kollege" von der Polizei in Lengenfeld wollen den Sulztalgletscher in nächster Zeit auf jeden Fall wachsam beobachten und alle Bergsteiger, die in dieser Richtung unterwegs sind, ebenfalls bitten, auf mögliche Hinweise am Eisrand zu achten.
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