Von Jürgen Herda  |  02.12.2005  | Netzcode: 10800809
Amberg

Öko-Bürgerspital mit viel Holz

Seniorenpolitik im Fokus 2006: Neubau und Umstrukturierung der Stiftung - Altstadt-Bürgerzentrum

Amberg. "Unser Bürgerspital hat aufgrund seines baulichen Zustandes Belegungsprobleme", sprach OB Wolfgang Dandorfer in seiner Haushaltsrede am Montag vor dem Stadtrat einen wunden Punkt der städtischen Seniorenpolitik an. Im kommenden Jahr soll eine Arbeitsgruppe die zwei drängendsten Aufgaben in Angriff nehmen: Neubau und Umwandlung der Stiftung in eine gemeinnützige GmbH.

"Ich bin heilfroh, dass der Ober das Thema zur Chefsache gemacht hat", freut sich Sozialreferent Dr. Harald Knerer auf die Herausforderung. "Es ist höchste Zeit, dass wir das anpacken. Wir haben innerhalb des Systems das Ende der Fahnenstange erreicht."

Marktübliche Löhne



Das Bürgerspital erwirtschaftet nicht jedes Jahr die gesamten Abschreibungen. 2005 blieben rund zehn Prozent oder 41 000 Euro offen. "Kein Beinbruch", wie Knerer betont, "es war von Anfang an politisch gewollt, für die Bewohner günstige Preise anzubieten." Dennoch müsse man ein Auge darauf haben, zumal man im Vergleich mit privaten Anbietern einen Nachteil habe: "Wir müssen nach wie vor Tarife des öffentlichen Dienstes bezahlen."

Um hier eine Waffengleichheit zu erreichen, schlägt der Referent das "Regensburger Modell" vor: "Mit einer gemeinnützigen GmbH ließe sich ein Bestandsschutz für das Personal ableiten, bei Neuanstellungen könnte man aber marktübliche Löhne zahlen." Dass auch dies keine ganz runde Lösung sei, räumt er ein: "Es ist sicher suboptimal, wenn Angestellte für die gleiche Leistung unterschiedliches Geld bekommen, aber ohne den Pelz nass zu machen, kann man niemand waschen - wir brauchen eine Entscheidung, was gewollt ist. Hü oder Hott: Entweder schlagen wir diesen Weg ein oder der Stadtrat bekennt sich zur Subventionslösung."

Kein 08/15-Heim



Noch spannender findet Knerer allerdings das Projekt Neubau: "Ich meine, dass wir hier ein Zeichen setzen können und nicht nur einfach ein 08/ 15-Heim hinstellen sollten." Gerade in der Innenstadt, die als Begegnungsort attraktiv sei, könne man eine Lösung aus einer Hand anbieten: "Mein Traum wäre ein generationenübergreifendes Bürgerhaus mit einem angegliederten Seniorenamt." Aber auch architektonisch plädiert Knerer für eine anspruchsvolle Lösung: "Wer sich mit Fachleuten unterhält, kommt zu dem Ergebnis, dass billige Standardlösungen nicht nur fade, sondern langfristig auch teuerer im Unterhalt und Instandhaltung sind." Gestern hat der Seniorenvisionär zusammen mit Experten schon mal die Eignung des Grundstücks in Augenschein genommen: "Wir könnten uns einen ökologischen Bau mit viel Holz vorstellen."