Von Jürgen Herda |
07.12.2005
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Amberg
Die Renaissance der Altstadt
Ambergs Innenstadt ist im Kommen: Strategien für den städtischen Lebensraum
"Unsere Altstadt hat im Bereich von Sanierungen und Neubauten eine Dynamik entwickelt wie lange nicht mehr", sieht OB Wolfgang Dandorfer eine Renaissance der Innenstädte heraufziehen. Auch Baureferentin Martina Dietrich möchte im Kontext des Dragomir-Gutachtens "Stadtentwicklung als moderne Struktur- und Wirtschaftspolitik" betrachten.
Kein Zweifel, die Altstadt ist groß im Kommen: "Wir stellen im Bauamt fest, dass die Anfragen für Objekte in der Innenstadt zunehmen", freut sich die Referentin über steigende Sympathiewerte für Ambergs gute Stube.
"Das hat mehrere Gründe", vermutet sie, "das Wegfallen der Pendlerpauschale, die steuerlichen Vorteile bei der Sanierung denkmalgeschützter Bauwerke, die Chance, in den Genuss von Städtebaufördermitteln zu kommen - aber auch ein gesellschaftlicher Bewusstseinswandel." Die Stadt gewinne wieder an Bedeutung als zentraler Lebensraum, in dem gearbeitet, gekauft und Freizeit genossen werde. Lange Anfahrten, fehlende Familienangebote am flachen Land würden zunehmend als unattraktiv empfunden.
"Allerdings fällt uns diese Entwicklung auch nicht von selbst in den Schoß", warnt Dietrich davor, dem Trend einfach zuzuwarten. "Wir müssen unsere Hausaufgaben erledigen." Dazu gehört: die Ausweisung der gesamten Innenstadt als Sanierungsgebiet. "Das Dragomir-Konzept war die Grundlage dafür, dass die Regierung der Oberpfalz das so beschlossen hat." Damit herrscht jetzt an jeder Ecke und in jedem Winkel innerhalb der Stadtmauer Waffengleichheit bei den Abschreibungsmöglichkeiten: "Wir hatten da oft kuriose Situationen", denkt Dietrich mit Grausen an Hausbesitzer, die leer ausgingen, weil sie auf der falschen Straßenseite sanierten.
Der große Wurf
Neben den vielen privaten Initiativen ist der Baureferentin wichtig, den großen städtebaulichen Wurf nicht aus den Augen zu verlieren. "Sobald wir den letzten Bauabschnitt am Malteserplatz abgeschlossen haben, machen wir uns an die nächste Herausforderung: den Stadteingang gegenüber dem Bahnhof. Dann ist die gesamte zentrale Achse neu ausgerichtet."
Ab 2008 soll das Entree vom Muff der 60er Jahre befreit sein, der Besucher soll zumindest eine Ahnung davon bekommen, wie es war, als das wehrhafte Amberg noch über eine Brücke betreten werden musste. "Die können wir zwar leider nicht mehr rekonstruieren, obwohl wir es untersucht haben", dämpft sie allzu historisierende Erwartungen, "aber wir möchten die Straßenführung und die öffentlichen Flächen so reparieren, dass man wahrnimmt, wo die Wehranlagen früher verliefen, und vor allem, dass klar wird, hier betritt man die Altstadt."
Grünflächen, Bäume, eine bessere Fußgängerführung, Fahrradständer sollen zum Verweilen und Flanieren einladen: "Ich bin mir mit dem Oberbürgermeister einig, dass wir schon eine solide, praktikable Lösung erarbeitet haben", beschreibt Martina Dietrich die Ausgangslage, "aber bisher fehlt uns noch der Pfiff, der Wiedererkennungseffekt, der sich beim Nabburger Tor sofort einstellt."