Von Jürgen Herda  |  10.12.2005  | Netzcode: 10804341
Amberg

Kaufmann gibt CSU Kontra

Stadtwerke-Chef wehrt sich: "OB und fünf CSU-Stadträte im Aufsichtsrat"

Amberg. "Ich verstehe nicht, was das soll", wundert sich Stadtwerke-Chef Axel Kaufmann über Forderungen des CSU-Fraktionschefs Dieter Mußemann (wir berichteten), die Stadttochter solle sich unter anderem stärker beim Thema regenerative Energie engagieren. "Im Aufsichtsrat sitzen der OB und fünf CSU-Stadträte. Die haben alle Entscheidungen mitgetroffen. Warum sagen die da nichts?"

Zumindest hätte Kaufmann erwartet, dass Mußemann zuerst mit ihm abklärt, was ihm unter den Nägeln brennt: "Dann hätten viele falsche Aussagen und Missverständnisse vermieden werden können."

So gebe es mit Diplom-Ingenieur Wolfgang Hüttner längst den vom CSU-Vordenker geforderten Mann mit Hut, der sich um das Thema alternative Energieversorgung kümmere. "Das Energiecontracting setzen wir beim Ausbau und der Erneuerung von Schulhausheizungen, wie kürzlich in der Barbara- und Wilmannschule, um, wo wir mit der Stadt einen Wärmevertrag geschlossen haben - wir bekommen die Investitionskosten über die Heizkosten zurückgeführt."

Dagegen verstehe er schlicht nicht, was Mußemann meine, wenn er ihn auffordere, ein "neues Geschäftsfeld" zu eröffnen: "Ich weiß nicht, was ich mir darunter vorstellen soll. Wir fördern mit der Solarstrom Bürgerbeteiligungsanlage sehr erfolgreich die Verbreitung von Photovoltaikanlagen - im letzten Jahr haben wir Anteile für 80 000 Euro verkauft."

Modellprojekt Bauhof



Mit dem Holzschnitzelkraftwerk am Bauhof erfülle man der Stadt den Wunsch, ein Modellprojekt für weitere derartige Heizsysteme zu starten: "Der Kontakt mit dem Bauhof und dem städtischen Forstamt als Lieferant ist hergestellt. Demnächst planen wir eine Besichtigungsfahrt zum Kloster Ensdorf, wo bereits mit Holzschnitzeln geheizt wird."

Allerdings rät Kaufmann auch, die Tassen im Schrank zu lassen: "Diese Pionierprojekte sind gut und richtig, aber sie sind allenfalls ergänzend zu konventionellen Energieträgern zu sehen. Der Bedarf nach Energie für Mobilität, Industrie und Heizung ist viel zu groß, als dass man sie damit befriedigen könnte." Der Anteil der Photovoltaik liege in Amberg bei drei Prozent und für Holzschnitzel- oder Pellets-Systeme seien bestimmte Voraussetzungen nötig: Sie müssen Lagerräume bauen und die Infrastruktur für die Anlieferung muss passen, in der Innenstadt geht das überhaupt nicht."

Energisch verwahrt sich der Geschäftsführer gegen den Vorwurf, die Stadtwerke würden das Hockermühlbad stiefmütterlich behandeln: "Wir haben 2001 ein Sanierungskonzept mit einem Volumen von 9,8 Millionen DM vorgelegt - das hat der Aufsichtsrat abgelehnt, weil man der Auffassung war, dass sich die Stadt keine zwei Bäder mit gleich teueren Attraktionen leisten kann und soll, zumal das Hocko auch nur ein Quartalsbetrieb ist."

Trotzdem habe man 200 000 Mark für Einzelmaßnahmen in die Hand genommen, um das Freibad in Schuss zu halten: "Das Hocko ist beliebt, wir hatten heuer trotz eines mäßigen Sommers 120 000 Besucher." Falsch sei die Behauptung, das 2,2 Millionen-Euro teuere Aquafitbecken - "das der Aufsichtsrat natürlich abgesegnet hat" - sei nur eine Stunde pro Woche in Betrieb: "Am Belegungsplan kann jeder nachlesen, dass die Geräte unter der Woche täglich etwa fünf Stunden benutzt werden können." Nur am Wochenende stimme der "Eine-Stunde"-Vorwurf. Die Hälfte der Nutzungszeit habe man Sportvereinen und der VHS zugebilligt. "Das Problem ist, dass die Geräte so empfindlich sind, dass man sie nur mit Aufsicht benutzen lassen kann", erklärt Kaufmann.