Von Jürgen Herda  |  15.12.2005  | Netzcode: 10806316
Amberg

Amberger Schule leichter als in Jeseník

Drei tschechische Gastschüler am MRG: Sie repräsentieren das neue, offene, mehrsprachige Europa

Amberg. "Was mich überrascht hat", erzählt Josef Straka aus Jeseník, "ist, dass die Schule in Bayern leichter ist als bei uns." Die dreiköpfige Gastschülerdelegation war sich in dieser Frage zwar nicht ganz einig, aber eines haben die jungen Tschechen gemeinsam: Sie sind zweisprachig und haben dadurch bessere Karrierechancen.

Das aufgeweckte Trio aus dem mährischen Altvatergebirge erfüllen alle Forderungen, die die Euregio Egrensis mit ihrer Sprachoffensive (siehe Artikel darunter) verbindet: Sie lernen Deutsch nicht nur in der Schule, durch das Gastjahr am Max-Reger-Gymnasium vertiefen sie ihre Sprachkenntnisse und lernen Leben und Alltagskultur im Nachbarland kennen.

"Das ist schon ein tolles Gespann", lobt Mathematiklehrer Siegfried Liebhäuser die zwei Jungs mit junger Dame, "die haben mich auf dem ersten Spaziergang durch die Stadt regelrecht über die Stadtgeschichte ausgefragt, von jedem Haus wollten sie wissen, wie alt es ist - die wissen mehr über Amberg als unsere eigenen Schüler."

Seit 1991 praktiziert das MRG einen Austausch mit Schulen in Sokolov und Jeseník. In die andere Richtung funktioniert die Partnerschaft leider nicht ganz so gut: "Die Sprachbarriere ist zu groß", meint Betreuungslehrerin Silke Schäfer, "für Besuchsprogramme bieten wir aber immerhin einen einwöchigen freiwilligen Sprachkurs an."

Nela Hudáková ist nicht nur vom musischen Geist am MRG begeistert. Die junge Pianistin konnte nämlich nicht nur ihre Fingerfertigkeit am Klavier verbessern: "Mir gefällt hier, dass die Lehrer die Schüler zur Selbstständigkeit erziehen. Hier sollen wir eine eigene Meinung haben, zu Hause ist das nicht erwünscht." Nela möchte nach dem Abitur Psychologie in Prag studieren: "Aber Lehrerin wär auch nicht übel, Hauptsache mit Menschen", lacht sie.

Die aktive Beteiligung am Unterricht gehe bei der Aktenbüfflerei an tschechischen Schulen etwas unter, meint Josef Straka, der besonders die naturwissenschaftlichen Fächer hier als richtige Entspannung empfindet: "Nur die Sprache macht alles natürlich etwas komplizierter." Viktor Fisera gefällt vor allem die zwischenmenschliche Komponente in Amberg: "Ich habe ungemein viele Freunde gefunden, die sind alle sehr nett", grinst der junge Anti-Konformist, der "Stereotypen hasst" und auch deshalb Auslandserfahrung sammeln möchte. "Ich würde gerne internationale Beziehungen studieren", verrät er, "am liebsten in Deutschland".

Könnte klappen, meint Mentor Liebhäuser: "Unsere Gastschüler können am Ende ihres Aufenthalts einen Sprachtest machen. Damit dürfen sie nach zwei Jahren Studium zuhause auch bei uns studieren."