Von Jürgen Herda  |  05.01.2006  | Netzcode: 10813914
Amberg

Ramba-Zamba bei Brasilien-Toren

Einzelhandel und Gastronomie rüsten sich fürs Fußball-Großereignis - Zwischen Euphorie und Zurückhaltung

Amberg. So etwas will man in Amberg nicht mehr erleben. Deutschland steht im Endspiel gegen Brasilien, tausende Fußballfans freuen sich aufs Match und dann das: auf der Leinwand nur weiße Ebbe statt packender Torszenen. Die Nürnberger Firma hatte nicht bedacht, dass sich Sonnenlicht und Beamerprojektion nur schlecht vertragen. Was haben die Veranstalter daraus für die WM 2006 gelernt?

Herbert Hottner jedenfalls ist erstmal bedient: "Unser Angebot ist, dass wir auf alle Fälle Fußball freie Zone für die Ladys und Pärchen bleiben", verspricht er fürs Café Zentral. Sein Waterloo hatte er vor vier Jahren am Marktplatz erlebt: "Wir haben fünf Pavillons aufgebaut, Bratwurststände, eben das ganze gastronomische Programm und dann sagt uns die Nürnberger Technikfirma kurz vor Spielbeginn - ,wir bringen das nicht hin, es ist zu hell'."

Der erste Metzger am Platz musste damals gar um sein Leben bangen, als bis zu 3000 angereiste Schlachtenbummler registrierten, dass das Endspiel für sie wohl ausfallen würde: "Die Stimmung war nicht gut, gottseidank flogen keine Maßkrüge."

Aus Schaden wird man klug, weiß auch der Vorsitzende der Park- und Werbegemeinschaft: "Wenn's professionell gemacht wird, bringt's was, halbe Sachen gehen in die Hose", prophezeit Andreas Raab.

Nur eine Leinwand auf den Marktplatz zu stellen, sei für den Einzelhandel uninteressant: "Wenn, dann müsste eine konzertierte Aktion her, ein attraktives Rahmenangebot für die ganze Familie." Mit anderen Worten: Vati wird im WM-Treff abgegeben und Mutti geht shoppen. "Da muss aber auch was geboten sein, spezielle Angebote, der Konditor verteilt Schoko-Fußbälle und und und..."



Rupert Natter, Chef des Einhandelsverbandes, ist skeptisch, dass sich eine Ausweitung der Ladensöffnungszeiten rentieren würde: "In München und Nürnberg dürfen die Geschäfte bis Mitternacht offen bleiben, das mag in den Spielorten was bringen, wo viele ausländische Gäste kommen - für Amberg bezweifle ich den Nutzen." Während der normalen Öffnungszeiten könne er sich durchaus Aktionen vorstellen. Tom Scheimer machte mit seinem Angebot bei der EM nur positive Erfahrungen: "Wir hatten immer ein volles Haus und eine tolle Stimmung."

In seinem Club Habana möchte er ein WM-Studio bei allen Spielen einrichten. "Wenn Brasilien trifft, könnten Samba-Tänzerinnen Ramba-Zamba machen", verspricht er Rio-Zauber. Außerdem kann er sich Diskussionsrunden mit Trainern und Spielern aus der Region vorstellen. Auch im Casino möchte er eine Leinwand aufstellen: "Allerdings nur bei Deutschland-Spielen und dem Finale."