Von Jürgen Herda  |  07.01.2006  | Netzcode: 10814353
Amberg

Ambergs ältestes Tor

1329 ist der Baubeginn fürs Vilstor belegt - Im 15. Jahrhundert aufgestockt

Amberg. "Amberg blieb fast immer verschont", erklärt die neue Türmerin im Vilstor, Simone Fröhler: "Nicht umsonst bezeichnete man sie als die ,festeste Fürstenstadt' mit ihren früher insgesamt 97 Türmen und der Wehranlage mit Wassergraben vor der Haupt- und Zwingmauer." Dass die Feinde an dieser Trutzburg scheitern mussten, daran hatte auch der ältest erhaltene Torturm in gotischer Bauweise seinen Anteil: das Vilstor.

"Die Grundsteinlegung lässt sich auf 1329 datieren", zeigt die Vorsitzende des Vereins für erlebte Geschichte, Cantus Ferrum, dass sich die Bewohner auch historisch mit ihrer Behausung auseinandersetzen. "Im 15. Jahrhundert wurde das ursprünglich Zin-nenring-hohe Tor auf das jetzige Maß aufgestockt - da man jetzt auch Feuerwaffen hatte, konnte man so wesentlich weiter schießen." Zugänglich war der Turm ohnehin nur über den Wehrgang, hinten und oben war er offen: "Aber im Wesentlichen ist die Substanz noch original."

Zirckler mit der Laterne



Etwa 1500 Soldaten verteilt auf die vier Stadtviertel sorgten in kriegerischen Zeiten für die Sicherheit in der Stadt - neben den "Umbgehern", den zwei Nachtwächtern, die durch die Straßen und Gassen patrouillierten, wechselten sich die Zirckler bei ihren Kontrollgängen auf der Mauer ab: "Sie mussten immer Laternen mit sich führen, damit man schon von weitem sah, dass sie auch tatsächlich auf ihrem Posten und nicht eingeschlafen waren", erläutert Lagerwart Andreas Fröhler. Dabei mussten sich alle wehrfähigen Männer regelmäßig Kampfübungen unterziehen, um im Verteidigungsfall zur Waffe greifen zu können: "Die Bürger waren oft besser ausgestattet als die Ritter. Und die regelmäßigen Armbrustübungen waren die Vorläufer der Schützenvereine."

Vielleicht war es neben der trutzigen Wirkung der Befestigungsanlage auch der "wehrhafte" Ruf ihrer Bürger, die die Stadt vor Übergriffen verschonte. Nur Friedrich der Siegreiche, der im 15. Jahrhundert Amberg belagert hatte, verschaffte sich im zweiten Anlauf Zugang zur Stadt - in weiser Voraussicht übergaben die Ratsherren die Schlüssel gleich freiwillig. "Ansonsten drangen nur noch die Österreicher im 18. Jahrhundert ein und die Alliierten am Ende des Zweiten Weltkriegs", resümiert der Hobbyhistoriker die Militärgeschichte Ambergs.

Seit zehn Jahren zeigt der Verein im Vilstor Flagge, die Mitglieder haben in dieser Zeit über 1000 Arbeitsstunden in das Baudenkmal investiert: "Wir haben den Holzboden eingebaut, vorher ist man auf dem Gewölbe herumgelaufen", zählt Andreas Fröhler auf, "an der Decke haben wir die Ritzen dicht gemacht, weil aus den Fugen ständig alles mögliche herunter rieselte - alles natürlich Denkmalschutz gerecht."