Von Jürgen Herda  |  10.01.2006  | Netzcode: 10815182
Amberg

Vom Kultusministerium geadelt

Erasmus-Gymnasium unter den 25 besten Gymnasien Bayerns und den Top-3 der Oberpfalz

Amberg. Freude am Erasmus-Gymnasium - für "herausragende Ergebnisse im Bereich der zentralen Leistungstests" flatterte Direktor Walter Brunner eine Urkunde aus dem Kultusministerium ins Haus: Sie adelt das kleinste Amberger Lyceum als eines der besten 25 Gymnasien in Bayern.

"Den Wert dieser Urkunde siedeln wir ganz hoch an", ist Brunner, seit 2004 Schulleiter, stolz auf die Auszeichnung. "Der Dank gebührt natürlich nicht mir, sondern meinem Vorgänger, Dr. Rudolf Roßkopf, den Lehrern und Fachbetreuern, die zumindest in den getesteten Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik methodisch und pädagogisch engagiert arbeiten, und den Schülern, die entsprechende Leistungen erbrachten."

Dass es sich bei der Urkunde nicht um eine Allerweltsauszeichnung handelt, bestätigt auch der Sprecher des Kultusministeriums, Dr. Harald Niedermair: "Unter den besten 25 Gymnasien von über 400 in Bayern zu sein, ist natürlich an und für sich schon eine außergewöhnliche Leistung - hinzu kommt, dass es sich hierbei nicht um ein Schlaglicht des aktuellen Leistungsstandes handelt, sondern um einen Querschnitt des gesamten Vergleichszeitraums 2002 bis 2005."

Auch wenn sich das Ministerium nur ungern in die Karten schauen lasse, an welcher Stelle das Erasmus-Gymnasium genau stehe - "wir wollen Anreize setzen, nicht andere Schulen mit womöglich schwierigeren Rahmenbedingungen entmutigen" - ließ Niedermair doch noch eine Zahl durchblicken: "Auf den ersten Blick sehe ich insgesamt drei Schulen aus der Oberpfalz auf der Liste." (Lesen Sie dazu auch den Hintergrund)

Kleine Klassen



Bei aller berechtigter Freude weiß Schulleiter Brunner natürlich auch, dass sich so ein gutes Ergebnis nur teilweise mit eigenen Anstrengungen erreichen lässt - auch das günstige Umfeld ist mit verantwortlich für den überdurchschnittlichen Leistungsstand: "Wir sind eine kleine Schule mit im Schnitt Klassenstärken von etwa 25 Schülern." Dennoch zeigten auch die Detailbeurteilungen, dass das humanistische Gymnasium seinen Beinamen zurecht trägt: "Nicht nur die Leistung stimmt, auch die pädagogische Betreuung - das kann man etwa daran ablesen, dass wir unterdurchschnittlich wenige Durchfaller haben, weil wir uns um alle Schüler kümmern." Aufgabe der Lehrer sei es nämlich, und das gelte in Zeiten des G 8 noch stärker, "die Schüler mit geeigneten Methoden zum Ziel zu führen und nicht sie auszusortieren".

Trotz des großen Aufwandes, den die Tests für jede Schule mit sich brächten - tausende Kopien der mehrseitigen Unterlagen, die bis einen Tag vor der Prüfung versiegelt im Tresor aufzubewahren seien - halte Brunner sie für ein geeignetes Instrument: "Im Wesentlichen führen sie zu mehr Nachhaltigkeit beim Grundwissen, weil es nicht darum geht, kurzfristig erworbenes Wissen abzufragen. Manche bezeichnen sie sogar als Paradigmenwechsel, weil nicht mehr die Lehrinhalte im Vordergrund stehen, sondern klar definierte Standards, die ein Kind bis zu einer gewissen Jahrgangsstufe beherrschen muss."

Kreatives Denken



Außerdem verlangten die unterschiedlichen Methoden, mit denen das Wissen abgefragt werde, eine größere Flexibilität der Schüler: "Studien haben gezeigt, dass amerikanische und japanische Schüler sich leichter tun, aus gewohnten Denkschemen auszubrechen - bei der Aufgabe, neun Punkte ohne abzusetzen mit vier Strichen zu verbinden, schnitten deutsche Schüler auffällig schlecht ab." Die Kombination vielseitiger Aufgabenstellungen - Hörtexte in Englisch, Multiple Choice, logische Schlussfolgerungen - fördere die Denkkreativität.