Von Jürgen Herda  |  10.01.2006  | Netzcode: 10815184
Amberg-Sulzbach

SPD sucht das Glück im Spiel

Junge Elite über Geschäftspraxis der Partei empört: Mitgliederschreiben verführt zum Lotto-Spielen

Amberg-Sulzbach. "Wir sind in der Politik, um die Interessen der Menschen und unserer Mitglieder zu vertreten, und nicht, um sie zum Lotto-Spielen zu animieren", regt sich Unterbezirksvorsitzender Uli Hübner über ein Schreiben auf, das kürzlich ein Großteil der SPD-Mitglieder erhalten hat. Darin werden die Vorzüge eines Spielsystems gelobt: "Du als Besitzer der SPD-Card erhältst jetzt exklusiv die Chance, an diesem System teilzunehmen."

Auch der stellvertretende Bezirksvorsitzende Ismail Ertug ist aufgebracht: "Die Sauerei ist, dass damit das Vertrauen gerade älterer Genossen in die Partei ausgenutzt wird - wenn die ein Schreiben der SPD bekommen, halten die das natürlich für seriöser, als den Wisch irgendeiner dubiosen Lotto-Firma." Stadtverbandschef Roland Pirner und Juso-Vorsitzender Oliver Daller schlagen in die selbe Kerbe: "Schon die Einführung der SPD-Card war ein Fehler, weil damit geschäftliche und politische Interessen problematisch miteinander verwoben werden."

Das Quartett möchte jetzt Nägel mit Köpfen machen: "Wir schreiben einen offenen Brief an Ralf Wieland, den Geschäftsführer der SPD-Card und an die Parteizentrale und fordern Aufklärung", beschreibt Pirner den Instanzenweg, der zu einem Überdenken der roten Geschäftspraxis führen soll.

"Wir möchten wissen, wer für solche Aktionen verantwortlich ist, und einen Meinungsbildungsprozess auslösen, der für mehr Sensibilität im Umgang mit Mitgliedern sorgt", ergänzt Hübner. "Gerade in der augenblicklichen Situation, wo der Vertrauensverlust gegenüber Parteien ohnehin erheblich ist, ist eine solche Geschichte verheerend."

Da hilft dann auch das Lockangebot eines "Gratis-Aufenthaltes in der Türkei" nichts mehr, im Gegenteil: "Die Klausel ,bei eigener An- und Abreise' erinnert mehr an das Abzocken bei einer Butterfahrt als an eine seriöse SPD-Veranstaltung", kritisiert Pirner und zerreißt das Schreiben demonstrativ.